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| Elli Counter |
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Elli war 215 Tage in Japan und ist seit 1411 Tagen wieder Daheim.
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| Das harte Los der Angestellten |
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Ort: Mein von arbeitern belagertes Apartment |
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Laune: Ich will hier nie wieder weg! (10) |
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Datum und Uhrzeit: 14.10.2006 10:34:58 |
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Berichtdetails: 12332 Zeichen, 471 x gelesen |
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Also Freitag der 13. war zumindest für mich ein WUNDERVOLLER Tag!
Er startete mit einem seltsamen Päckchen (ich bin ja die ultimative Postfrau^^) auf der Arbeit- und was war drin???
Pralinen! Wieso? Interessierte mich doch nicht- damit war der Tag gerettet!
Es wurden noch ein paar letzte Photos mit meinem Kumpel Tom (der Koala) gemacht, der ja bald unser Team verlässt und schon war es Abend (ok, es vergingen noch 8 Stunden, die ich euch aus lauter Gutherzigkeit erspar)
Da platze plötzlich unser lieber Vizechef in unser Büro (1großer Raum im 10 Stochwerk eines Hochhauses) und hatte eine Riesentüte OMIYAGE dabei.
Normalerweise hasse ich es, wenn er so plötzlich auftaucht- das letzte Mal hatte ich ein Nacktbild von Dennis Rodman auf dem Bildschirm (;_;) (nur mit einem Ball von seinem besten Stück),weil ich seine Tattoos genauer mustern wollte und konnte es dann nicht mehr schnell genug wegklicken...dmdidum...aber:
Miyage (jap. 土産; oft mit Honorativpräfix o-) sind im Japanischen Mitbringsel von Reisen. Oft sind dies Nahrungsmittel, die ein Symbol oder ein Bild des Reisezieles aufgedruckt haben. An beliebten Reisezielen der Japaner werden Miyage in vielen Variationen angeboten, und es gibt weit mehr Andenkenläden als an vergleichbaren Orten in Europa.
Beliebte Miyage sind gefüllte Klebreisbällchen (Mochi), Reiscracker (Senbei) oder gefüllte Kekse.
Von den Daheimgebliebenen wird ein Miyage erwartet, für die Kollegen reicht ein Stück Gebäck aus einem 20er-Karton, für gute Freunde und enge Verwandte darf es auch etwas mehr sein.
Soviel dazu...da kann man dem Chef auch nicht wirklich böse sein, dass er einem beim Nichtstun überrascht- und bei uns kommt übrigens ca. jeden 2. Tag was in einer Tüte hereingeschneit und es ist JEDES Mal verdammt lecker!
Die Japaner kaufen sich dumm und dusselig mit diesen Mitbringseln (ich erinnere mich an die Schlacht, kurz vor Schluss, um die letzten arschteuren Disneymitbringsel in Disneyland- wohl zurecht vergleichbar mit dem Einsatz in Vietnam, wenn man da lebend wieder rauskommt/kriecht/herausgetragen wird kann man Lebenslang von dem Grauen erzählen...und sogar noch seine Urenkel damit folternヾ(*~▽~)ノ)
Und nachdem auch diese Kreationen, die wohl ab 5 Euro aufwärts pro Stück gekostet haben war der Tag auch schon um.
Es folgte eine Orgie im Kaitensushi (die fahrenden Teller) und ich habe meinen persönlichen Rekord gebrochen:7Teller! Wobei mich jedes japanische 8 jährige Kind wohl auslachen würde. Bei denen fängt das Futtervergnügen erst mit 8 Tellern, oder so an! Das beste ist dann immer der Kuche, der dann auch jedes Mal seine Runden zieht, bis man sich nicht mehr beherrschen kann...mache gehen nur zum Kuchenessen in den Sushiladen^^
Und dann noch eine KOnacht, denn momentan wird hier gebaut.
Natürlich wäre es fatal tagsüber die Strasse umzubuddeln, also macht man das Nachts.
Und zwar seit 4 Nächten ab 9 Uhr Abends bis 4 Uhr morgens.
Anständig, mit Presslufthammer und sonst allem was LÄRM macht.
Aber auch das ist mir wurscht! Momentan kann mich echt nix mehr aus der Ruhe bringen^^
Morgen bin ich bei meiner Arbeitskollegin eingeladen und ernstgemeinte Einladungen von Japaner sind echt selten! Also wird’s recht cool^^!
Übrigens ist sie 30 und traut sich nicht, den Kollegen zu erzählen, dass sie mit ihrem Freund zusammenwohnt! Die glauben, sie fährt immer noch zu Mama und Papa nach der Arbeit...
Was die Firma überhaupt angeht, hab ich wahnsinniges Glück gehabt! Die Firma hier ist das beste was mir in Japan passiert ist. Insofern kommt jetzt ein informativer Abschnitt über Arbeitsverhältnisse in Japan und Ellis momentane Arbeitssituation...eine typisch unjapanische Firma namens UTS International Education Center! (^o^)/
Immerhin sollt ihr hier auch was lernen!
Die japanischen Firmen haben sich in den letzten Jahrzehnten zuerst durch Riesenerfolge nach dem 2 WK ausgezeichnet. Den Menschen ging es so gut, dass sich jede Frau eine Louis Vuitton Tasche leisten konnte. Leider ist dies heutzutage immer noch ein Statussymbol und jede Japanerin zeigt wo auch immer, wie auch immer ihre L.V. Sachen. Dass die Japaner ein Problem mit gutem Geschmack haben, müsste ich ja schon erwähnt haben, denn die L.V. Sachen sind wirklich hässlich. Die Firma gibt’s wohl nur noch, weil Japaner nun mal Japaner sind.
Dann folgte der Crash (bubble economy) und der langsame Wiederaufbau. Der übrigens immer noch andauert und inzwischen passen sich die Firmen auch eher an das System der Ausländer an, frei nach dem Motto: was uns nicht umbringt macht uns noch stärker!
Besondere Kennzeichen in der Vergangenheit der großen japanischen Firmen waren:
1. die lebenslange Einstellung auf, ja richtig gelesen: Lebenszeit! Man fängt als kleiner Wicht an und je älter man wird, desto mehr Kohle scheffelt man! Was übrigens auch Punkt
2. ist: Senioritätsprinzip.
Das System hatte natürlich Vorteile, hat sich aber dennoch letztendlich als überholt erwiesen
(wird jedoch immer noch oft in den Großen Konzernen praktiziert).
Was leider auch für recht viele Weisen verantwortlich ist. Denn üblicherweise wird nach der Hochzeit sofort mit der Familienplanung begonnen. Die Frau kündigt ihren Job und kümmert sich um die Kiddies und den Haushalt. Auch wenn die gute in Harvard studiert hat und das 3fache Einkommen ihres Mannes hatte- egal! Sind die Kinder halbwegs erwachsen, macht sie dann vielleicht einen Teilzeitjob im Supermarkt...
So kommt es dann, dass die Ehemänner bei einem Verlust ihres Jobs es leider nicht übers Herz bringen, die Familie zu informieren- die ja von ihrem Einkommen 100%ig abhängig ist.
Es hat schon oft Fälle gegeben, wo die Männer jeden Morgen im Anzug herausspaziert sind- ihre 10 Stunden sonst wo auf einem Parkbank abgesessen haben- wie ein quasi normaler Arbeitstag.
Dieses Spielchen wird „normalerweise“ solange getrieben, bis die Schulden nicht mehr zu verbergen sind und führt oft zu Selbstmord des armen Ehemannes.
Übrigens wird Sozialhilfe so gut wie nie beantragt, kaum ein Japaner kann es über sich bringen, sich soweit zu „erniedrigen“.
Ein harmonischen Familienleben ist übrigens auch schwierig, denn Überstunden bis 10 Uhr Abends+ am Samstag sind üblich, und oft nicht bezahlt.
Die Scheidungsrate nach der Rente ist enorm hoch- warum wohl???
Die, die trotzdem weiterhin Arbeit suchen, landen später oft als 1Eurojobber auf der Strasse. Das sind die netten Menschen, die ich immer für Polizisten gehalten habe! Immerhin tragen sie eine Uniform und sehen wichtig aus. An meiner Baustelle vor der Tür befinden sich 8 dieser Arbeiter. Die Baustelle ist KLEIN und durchschnittlich arbeiten da 2-4 Leute, während die „Aufpasser“ nun ja, aufpassen? Sie stehen rum und winken die Passanten vorbei, damit diese nicht in Löcher fallen, oder so. Hört sich soweit sinnvoll an, jedoch ist diese Baustelle durch leuchtende Hütchen gekennzeichnet und umzäunt.
Wahrscheinlich hat Japan zu viele 1Eurojobber und weiß nicht wohin damit. Hauptsache die Arbeitslosenstatistik ist niedrig...
Diskriminierung pur („Frauen kommen nur in die Firma um sich einen Mann zu angeln“- leider zu 95%wahr), nur ein Bsp. aus der Praktikumstelle von einem Mitkommilitonen:
Er hatte das Glück in der IHK unterzukommen, sogar mit eigenem Schreibtisch und Visitenkarten(du bist ein Nichts, wenn du keine hast. Ich habe keine, ich fühle mich sooo klein..)! Und wie selbstverständlich wird da jeden Montag geputzt. Die Frauen ziehen sich Handschuhe und Schürzen über und putzen die komplette Firma und sogar um ihre männlichen Kollegen herum, die sich keinen Zentimeter bewegen und gehen danach brav an ihre normale Arbeit. Keine Putzfrauen, nein normale WEIBLICHE Firmenangestellte und sogar die Marketingchefin (oder so)!
Da bin ich doch sehr froh, bei meiner Firma untergekommen zu sein!
Keine übertriebene Kleidervorschrift, sodass ich sogar 20%meiner Sachen dort tragen kann. (Männer natürlich aber bei jedem Wetter Anzüge mit eingenähtem Namensschildchen und keine Jeans erlaubt, war ja klar...)
Der Tag bei UTS fängt harmonisch im Kreis an. Jeden Tag ein anderer Mitarbeiter krallt sich den Wecker, lässt schellen, stellt sich vor (gut für Mitarbeiter, die an Alzheimer leiden...)/den Tag und dann folgt eine Ruhe- und Sammelminute mit verschränkten Händen.
Und danach muss jeder einen Satz brummen, der in meiner freien Übersetzung so heißt:
„Einen wunderschönen guten Morgen verehrte Arbeitskollegen! Es ist mir auch heute eine hyperdimensionale Freude mit Ihnen den Tag in diesem herrlichen Büro verbringen zu dürfen! Meinen herzlichsten Dank!! Einen WUNDERVOLLEN Guten Morgen wünsche ich Ihnen!!
Zack, eine hurtige 45Grad Verbeugung, worauf dann im Chor von allen Anwesenden ebenfalls „Guten Morgen „ ertönt- natürlich von der begleitenden Verneigungsbewegung und das der Reihe nach, bis wir wieder zu der Macht mit dem Wecker ankommen.
Nach einem weiteren Schellen wird dann mitgeteilt dass die Sitzung vorbei sei und im Chor noch mal gedankt. ( ich bin mir nicht sicher wofür- wichtig: nicht die Verbeugung vergessen!)
Falls der Chef anwesend ist, muss er sich nicht vorstellen(WAOHAHA), und darf dann noch Vor dem 2. Schellen ein paar Worte an seine Untergebenen loswerden. Oder Geldprämie verteilen- ist mir persönlich noch nie passiert, aber ich bin ja ein bescheidener Charakter(^O^)
Laut meinen kleinen Japanern ist dies nur an einem Montag üblich; ich finds jedoch geil^^ jeden Morgen aufs neue!
Um 6. gibt’s das gleiche noch mal, aber da sieht man mich sowieso nicht mehr in der Firma, höchstens noch von hinten(*^ー^)ノund tschüß!
Das Putzen wird fair zwischen alle niederen Angestellten verteilt, aber den Süßkram dürfen sich immer zuerst die Frauen aussuchen!(wie ich erst jetzt, in meinen 2 letzten Wochen erfahren habe, muss man auch da die Reihenfolge beachten...hups(^_^;))
Ansonsten hab ich schon für eine vernichtende Kaffeeflut gesorgt, die auch vor meinem Nachbarn (bzw. seinen Unterlagen)nicht Haltmachen wollte...3 PCs mehr oder weniger geschrottet- ist übrigens auch ein running gag...falls was passiert- egal wo oder bei wem- ist die erste Frage immer:
„Elli, ist der PC noch ok???“ herzhaft...
Die Mitarbeiter sind insgesamt recht glücklich, auch wenn die Überstunden wohl nicht bezahlt werden?! Aber die dürfen ja auch jedes Jahr auf Firmenkosten jeden Kontinent ihrer Wahl bereisen!(um die Sprachschulen zu beaufsichtigen, Schüler zu begleiten, mit anderen Agenten ordentlich einen bechern...hört sich nett an!)
Und sobald man sich in den Kreis integriert hat, kann man auch davon profitieren! Wenn man Hilfe braucht, oder nur eine kleine Frage hat, wird sofort alles stehen und liegen gelassen 8obs nun das eigene Mittagessen, die wichtige XYAkte oder das schreiende Kleinkind ist)! Die berühmte japanische Höflichkeit halt^^
Also soweit bin ich auch recht glücklich und zufrieden hier!
Sogar die Bauarbeiter dürfen heute Nacht die Sau rauslassen!
Bei so einer Firma könnte man locker 1,2,3 Jährchen halt machen und Erfahrungen sammeln.
Lustig isses allemal und da mein Englisch nicht verstanden wird kommunizieren wir auf Japanisch, mit Gestik, Mimik und viel Gelächter!
Der Kopierer hört sich übrigens an, wie eine Meute Eichhörnchen bei einem Gesangswettbewerb, nur nicht wie ein Kopierer- da haben sich dir Geräuschdesigner vertan- aber damit kann ich leben! (*^∇’*)
Meine Kollegin Aiharasan ist auch jeden Tag nur für meine Unterhaltung zuständig! Wie der besoffene Butler bei Diner for One jedes Mal über den Bärenkopf stolpert, stolpert sie Tag für Tag über einen Kasten^^ will nicht wissen, wie lange sie das einstudiert hat!^^
Und für die mir zur Verfügung gestellte Firmenwohnung könnte ich sowieso den kompletten Verein einmal kräftig... drücken(12mann,das lässt sich machen)!
Langsam fällt einem immer mehr ins Auge, was man alles vermissen wird und nicht wirklich missen möchte! Und zuletzt lernt man doch immer fürs Leben...und unsere Rasse soll ja Meister im Verdrängen von schlechten Erlebnissen sein: wir lernen draus und vergraben es danach sofort so tief wie möglich!
Ich denke so geht’s mir auch hier in Japan! Viel gelernt...und letztendlich zählt nur das Ergebnis , nicht wahr? へ(^-^)乂(^o^)ノ
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08.09.2010 |
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