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Elli war 215 Tage in Japan und ist seit 1411 Tagen wieder Daheim.

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Keiner Angst, der ist kürzer!^^
Ort:
Ausnüchterungszelle
Laune:
Rockt! (6)
Datum und Uhrzeit:
17.10.2006 14:17:09
Berichtdetails:
5109 Zeichen, 531 x gelesen
Da ich ja das ungemeine Privileg besitze, in dem ultimativen Spaßkern zu leben, kann ich jeden Tag aufs neue die wunderbare Welt der jungen Japaner beobachten.

Also, jetzt kommt der nächste Lernblock mit wichtigen Lektionen für alle, die sich mal unauffällig unter die Masse mischen möchten...beachtet dann bitte diese Tipps:
(Übrigens wäre das auch eine Idee für Karnevall!)
Ein normaler Abend unter der Woche beginnt nach der Schule in Shibuya, in der Bahn, Restaurant oder sonst wo vor einer verspiegelten Fläche. Es wird massenweise Make up aufgelegt, normalerweise nicht unter 30min...dann kommt Stufe 2.!Der batteriebetriebene Lockenstab... Nach ca. 1 Stunde ist dann das weibliche Jungvolk bereit, um sich unter die Stammesmasse zu mischen, in der Hoffnung anerkannt, akzeptiert zu werden und ein gutaussehendes, parfümiertes Männchen auf sich aufmerksam zu machen. Zu diesem Zweck taucht aus den tiefen der Handtasche auch noch Gürtel auf, der versehentlicherweise als Rock getragen wird und Schuhe, die eine Mindestabsatzhöhe von 10cm haben müssen. Auch MUSS es (das Nuttenschuhpaar) glänzen, aus Lack oder Plüsch sein- sonst kommt man hier nie auch nur in die Nähe der Top 100! Das Schuhding erklärt sich ganz einfach aus der Tatsache, dass man sonst nicht Männlein von Weiblein unterscheiden könnte- und das wäre ja fatal...Tatsächlich ist es manchmal recht schwierig ES richtig einzuordnen- ich habe schon so viele Wetten verloren, ich muss es wissen...Der männliche Gegenpart hat dann die Stunde in der Toilette von McDonalds verbracht und sich zum 460Mal die haarspitzen eingegelt, gezwirbelt, hochgesprayt wie auch die Lackspitzn der Cowboystiefel poliert, die er aus dem YMCA-laden ersteigert hat.
Und dann geht’s los! Der TREFFPUNKT ist immer der gleiche: Hachiko...ihr wisst schon, der arme Hund ohne Herrchen.
Natürlich endet das ganze in einem Riesenpulk um die Hundestatue herum. Aber auch das ist Teil der Spiels: denn dann muss man sein neues Handy, samt 1000 neue Anhänger herausholen und möglichst imposant und lange telefonieren, um sich zu finden. Normalerweisen werden die Handys erst wieder eingesteckt, wenn man seiner Verabredung schon auf den Fuß treten kann. (Daraufhin wieder erst mal 30min Toilette, Pornostiefel polieren).

Am Wochenende hat man dann die Auswahl: sich in der Kneipe betrinken ODER sich beim Karaoke betrinken...die Toilette sind überall gleich und ab 10Uhr nicht mehr begehbar- obwohl ich wirklich schwöre, dass ich selten woanders so glückselige Gesichtsausdrücke gesehen habe, wie bei den Leuten, die mit der Toilette im Arm ihren Rausch ausschliefen...
Vielleicht ist das das Geheimnis der beheizten Klobrillen? Ich werde es hoffentlich NIE austesten müssen...

...jetzt schweifen wir aber zu Ellis Wochenende ab...also Karaoke ist das beste was es gibt auf der Welt, natürlich ist es zu teuer (20Euro) dafür geht’s ab Mitternacht los mit einem Riesenhightechraum, mehreren Mikros (die man sowieso nicht braucht, weil 12 besoffene Leute im Chor jedes Mikro totschreien) und einem cleveren System:
man kann als Gruppe nur Softdrinks, oder gegen Aufpreis „trink soviel von allem was da ist und bis man dich aus dem Raum jagt, bzw. hinauszieht (oft gegen 6Uhr morgens)“NOMIHODAI. Welche vernünftigen, partyfreudigen Leute mit einer noch zu 60%funktionierenden Leber nehmen da schon die Softdrinks?
Eine herrliche Sache!

Übrigens gibt es in jedem Schuppen 3 deutsche Lieder, die alle noch so sprachunbegabten Japaner/Ausländer mitsingen können: Dshingis Khan, Moskau und die 99 Luftballons! Ratet mal was Ellis Einsinglied ist^^HARHARHAR...
Den Abend musste ich dann dem Sakurahaus opfern, da ich ja ausgezogen bin, ohne Abschiedsparty! Ein Frevel- neben Karaoke bestand meine Strafe noch aus diversen Tanzeinlagen auf den Tischen. Ich war recht enttäuscht, als sich zu Hause alles an Papiergeld als Monopolydollarspielgeld herausstellte...

Nach Karaoke hieß es dann1 Stunde nachhause torkeln (Tokyo,5Uhr morgens und keine Bahn nach Hause...), 3 Stunden schlafen und zur Arbeitskollegin weiterhetzen. Dort wurde ich dann mit: “Willkommen! Heute gibt’s bei mir zu hause NOMIHODAI!“ begrüßt...
Das Hobby dieses fröhlichen Paares besteht aus Pferderennen und Sake. Ich glaube, ich war noch nie in Japan so betrunken!
Das Ende der Geschichte war die Arbeitskollegin, die trotz einer unglaublichen Leistung gegen 6 Uhr Abends ihren offiziellen Abschied bekannt gab, indem sie ins Bett fiel und nur noch zum Abschied mit einer Hand winken konnte.
Oder sie wollte uns sagen, dass ihr furchtbar schlecht war und sie dringend Wasser+ Eimer haben wollte?! Wir waren uns nicht ganz sicher...und sind sicherheitshalber schnell geflüchtet.
Im Zug bin ich 2 Mal davon aufgewacht, dass mein Kopf ungebremst gegen die Scheibe prallte- und zuletzt habe ich noch ein fröhliches Skypetelefonat mit meinem süßen Neffen geführt! Der Kleene ist 7 Monate alt und lallte herzhaft ins Mikro- ich lallte fröhlich zurück- welcher Monolog zuletzt für die Außenwelt besser zu verstehen war mag ich nicht beurteilen wollen...Der Arbeitstag danach war hart.

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Elli goes Japan

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Uhrzeit: 20:46:38
Datum: 08.09.2010
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